Spastik - Tetraplegie - Leben mit körperlichen Einschränkungen

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Spastik

Querschnittlähmung

Spastik nach Querschnittlähmung

Ich habe hier bewusst nur die Spastik von Querschnittgelähmten erläutert. Es gibt  viele neurologische Erkrankungen die eine Spastik beinhalten, bei einem Spastiker ist z.B. der gesamte Körper einschließlich die Aussprache betroffen, aber mit diesen Krankheitsbildern habe ich mich noch nicht beschäftigt.

Mit der Spastik hat wohl jeder querschnittsgelähmte mehr oder weniger zu tun. In den wenigsten Fällen ist die Spastik dermaßen schlimm, sodass der Tagesablauf nicht zu bewältigen ist. Dafür gibt es zum Glück Medikamente und vorbeugende Maßnahmen, die dieses Leiden in ein erträgliches Maß reduzieren (siehe weiter unten)

Nach einer Verletzung des Rückenmarks befindet sich der Körper in einem Schockzustand. Die Muskeln, die durch die Nervenverletzung nicht mehr angesteuert werden, sind schlaff und kraftlos. In der Medizin spricht man von einem spinalen Schock. Dieser Schock dauert im allgemeinen mehrere Wochen bis mehrere Monate nach der Verletzung. Ist dieser spinale Schock abgeklungen, kann es zur Spastik kommen und wird im Laufe der Zeit immer stärker oder bleibt in einem minimalen erträglichen Zustand stehen.

Was ist Spastik

[Medizinisch] Erhöhung der Muskelspannung in Folge einer Schädigung des ersten motorischen Neurons (Nervenzelle) z.B. durch Lähmung.

Wann entsteht Spastik

Spastik ist eine unwillkürliche Reflexbewegung, die häufig nach kompletten oder inkompletten Verletzungen des Rückenmarks auftritt, besonders bei Verletzungen oberhalb des Brustwirbels Th 12. Der Körper vor allem die Extremitäten, können je nach Läsionshöhe nicht mehr oder nur zum Teil angesteuert werden. Wenn in diese Körperteile die Spastik einschießt, sind die Körperbewegungen unkontrolliert und führen nicht selten zu Missverständnissen gegenüber anderer unerfahrener Mitmenschen.

Spastik kann auftreten, wenn die Beine oder auch die Arme von einer zweiten Person plötzlich bewegt oder nur angefasst werden, wenn die Körperstellung verändert wird, auch Husten, Niesen, Gänsehaut oder Erschrecken kann der Auslöser sein.

Vorteile der Spastik

Spastik hat auch Vorteile, die Muskeln behalten ein Teil ihrer Größe, durch die verursachten Bewegungen können Körperteile entlastet werden, die Gelenke bleiben flexibel. Die Hautdurchblutung ist durch die Bewegungen besser. Durch diese Effekte, ist die Gefahr eine Druckstelle zu erwerben, die bis zu einem Dekubitus (offene und abgestorbene Körperstelle) führen kann geringer.

Spasmen können einige Betroffene auch willkürlich herbeiführen. Diese herbeigerufenen Körperbewegungen, kann man zur Unterstützung nutzen z.B. um seinen Körper im Bett zu drehen oder seine Extremitäten zu strecken, um damit das Ankleiden zu erleichtern. Auch ein kurzzeitiges Aufstehen, dass ein Umsetzen aus dem Rollstuhl/in dem Rollstuhl erleichtert, ist bei einigen Betroffenen durch eine willkürliche Herbeiführung möglich.

Spasmen sagen auch einiges über das Körperempfinden aus. Gesunde Menschen können z.B. körperliche Schmerzen spüren, ein gelähmter Mensch ist dagegen körperlich gefühllos. Wenn man nach einiger Zeit seine Erfahrungen mit seiner Spastik gemacht hat, stellt man fest, dass plötzliche verstärkte Spasmen ein Signal auf körperlichen Schmerz sind. Mögliche spasmenverstärkende Faktoren stehen weiter unten.

Nachteile der Spastik

Viele Patienten empfinden insbesonders zu Beginn die Spasmen als lästig, besonders wenn diese jegliche körperliche Tätigkeit wie z. B. Essen, Schreiben, Umsetzten aus dem Rollstuhl oder das körperliche Gleichgewicht beeinflussen. Bei einer Spastik der Bauchmuskulatur, kann der Betroffene sogar aus dem Rollstuhl geworfen werden. Spastik ist in einigen Fällen sogar schmerzlich.

In schweren Fällen von Spastik, kann es zur Kontraktion der Extremitäten, Muskeln und Sehnen kommen, was eine gezielte Physiotherapie erfordert und nicht selten ein Dauerzustand bleibt.

Wie wird die Spastik verstärkt

Körperlicher Stress, physischer Stress, oder auch Schmerzreize aus dem Körper verstärken die Spastik. Nach einer gewissen Erfahrungszeit mit der Spastik, können Sie die Spastik wenn sie plötzlich verstärkt Auftritt, als Signal verstehen. Körperliche Infektionen, Verletzungen die jeder gesunde Mensch als Schmerz wahrnimmt, wird bei einem querschnittsgelähmten als verstärkte Spastik registriert.

Weitere Ursachen für eine erhöhte Spastik können sein: Verstopfung, überdehnter Enddarm, überfüllte Blase oder Harnwegsinfektion, Druckstellen z.B. durch zu enge Kleidung, eingewachsener Zehennagel oder zu enge Schuhe, Hautprobleme im Intimbereich, schlechte Sitzhaltung im Rollstuhl, Unterkühltsein, Alkoholmissbrauch am Tag zuvor,

Wie wird die Spastik gelindert

Patienten die eine tiefe Rückenmarksverletzung haben, sind zum Glück in der Lage, ihren Oberkörper komplett zu bewegen und können somit ihre Spastik durch ein tägliches Durchbewegen der betroffenen Körperteile  versuchen zu lindern. Sehr erfolgreich ist auch das schlafen auf dem Bauch. Auch ein tägliches Durchbewegen für eine Stunde, mit einem Arm- oder Beintrainer, stehen auf einem Stehbrett oder Stehgerät (Stehpult) vermindern die Spastik. Bei Patienten die eine hohe Verletzung des Rückenmarks haben und somit in ihren Bewegungen extrem eingeschränkt sind, hilft eine Physiotherapie die mehrmals in der Woche stattfinden sollte.

Schwimmen, Saunabesuch hilft häufig die Spastik zu reduzieren. In einigen Fällen können sich diese Methoden auch Negativ auswirken, wenn z.B. der Kreislauf darunter leidet und es sogar zur Bewusstlosigkeit kommt.

Aber in einigen Fällen sind Medikamente notwendig um die Spastik zu lindern.

Medikamente gegen die Spastik

Medikamente sind notwendig, wenn manuelle Maßnahmen die Spastik nicht in den Griff bekommen, oder wenn durch die Spastik sogar Schmerzen entstehen. Der Nachteil dieser Medikamente sind die Nebenwirkungen, vor allem Müdigkeit, Gedächtnisschwierigkeiten, Muskelschwäche und eingeschränktes Reaktionsvermögen. Diese Symptome werden in den meisten Fällen nach einer gewissen Zeit der Einnahme wieder abklingen.

Zu den möglichen Medikamenten gehören: Baclofen (Lioresal), Akatinol, Dantamacrin, Sirdalud, Musaril.

Ich persönlich bin auf 100mg Lioresal eingestellt, dass ist fast die oberste Grenze (120mg). Die Dosierung wurde Stufe für Stufe angehoben, dabei hatte ich viele Wochen mit Müdigkeit, Gedächtnisstörung, Muskelschwäche, niedrige Herzfrequenz, Kreislaufprobleme und Antriebslosigkeit zu kämpfen. Heute habe ich keine Probleme mehr mit den genannten Symptomen, dass ist mit einer Suchtmittelabhängigkeit gleichzusetzen. Nach einer abrupten Absetzung des Medikaments, käme es zu fürchterlichen Entzugserscheinungen.
In einigen Fällen ist die maximale Dosis des jeweiligen Medikamentes nicht mehr ausreichend und damit kritisch  für den Gesundheitszustand. In solchen Fällen hilft eine so genannte Medikamentenpumpe, in diesem Fall eine Lioresalpumpe (Baclofenpumpe).

 
In einigen Fällen ist die maximale Dosis des jeweiligen Medikamentes nicht mehr ausreichend und damit kritisch  für den Gesundheitszustand. In solchen Fällen hilft eine so genannte Medikamentenpumpe, in diesem Fall eine Lioresalpumpe (Baclofenpumpe).
Die Lioresalpumpe hat die Aufgabe, dass zur Spastik lindernde Medikament an die Verletzte Rückenmarksstelle zu bringen. Dazu wird die Medikamentenpumpe unter die Bauchhaut gepflanzt und mit dem Rückenmark durch einen winzigen Katheter verbunden. Durch diesem Eingriff werden die Nebenwirkungen vermindert, weil die Pumpe winzigkleine Mengen des Medikamentes an die betroffene Stelle im Rückenmark bringt und das Medikament nicht mehr über den Magen und danach durch das Blut an die betroffene Stelle gebracht wird.
Für die intrathekalen Baclofeninfusion gibt es zwei unterschiedliche Pumpensysteme:

Variante 1: Gasdruckbetriebene Pumpe (Bild links)

Vorteil: funktioniert lebenslang und ist somit kostengünstiger. Nachteil: Vor Implantation der Medikamentenpumpe muss einige Tage ein "vorläufiger Port" gelegt werden, der Täglich mit einer Spritze gefüllt wird, bis die notwendige Dosis herausgefunden ist.

Variante 2: Batteriegetriebene programmierbare Pumpe (Bild rechts)

Vorteil: Tag-Nacht Programmierung. Pumpe auch ohne Side-port nur mit zentralem Einfüllstutzen erhältlich. Geringere Gleichlaufschwankungen. Nachteil: Teurer. Programmierung mindestens 1 x pro Jahr nötig. Batterielebensdauer etwa 5 Jahre. Danach muss ein Pumpenwechsel erfolgen.
Diese Methoden sollten allerdings als letzte Möglichkeit angesehen werden, weil die Medikamentenpumpe je nach Einstellung, aller ein paar Wochen von dem Arzt wieder aufgefüllt werden muss. Das schafft eine ziemliche Abhängigkeit, weil der ganze Alltag im voraus geplant werden muss.

Bei mir wurde auch eine Lioresalpumpe eingepflanzt. Auf den Katheter, der mir in das Rückenmark eingepflanzt wurde, reagierte ich allerdings allergisch. Ein Tag nach der Operation bekam ich starke Kopf- und Nackenschmerzen, die durch Tabletten nicht zu bekämpfen waren. Nach einer Liquoruntersuchung (Rückenmarksflüssigkeit), stellten die Ärzte eine Trübung der Flüssigkeit und somit eine Meningitis (Hirnhautentzündung) fest. Schnell wurden heilende Maßnahmen vorgenommen um eine Gehirnschädigung zu verhindern. Die Pumpe und der Katheter wurden sofort wieder entnommen und ich bekam die entsprechenden Infusionen und Medikamente zur Heilung. Ich musste mich trotz der schnellen Maßnahmen, 1 Woche mit wahnsinnigen Kopfschmerzen, die einer schlimmen Migräne ähnelnden, herumquälen. Die Pumpe wurde auf meinen Wunsch hin nicht wieder eingepflanzt. Ich war froh, dass ich die Pumpe und die damit verbundene Abhängigkeit wieder los hatte.

Alkohol und Spastik

Die Spastik wird nach erheblichen Alkoholgenuss deutlich reduziert, denn durch den Alkohol werden die Blutgefäße erweitert, es entsteht ein Wärmegefühl und der Alkohol lähmt die Nerven was zu einer Beruhigung des Körpers führt.

Vorsicht! die Beruhigung ist aber nur von kurzer Zeit, denn nach jedem Alkoholgebrauch wird Ihre Spastik verstärkt auftreten, weil das Nervensystem danach zu einer Gegenreaktion gezwungen ist ('’Rebound-Effekt’’, ähnlich dem Drogenentzug). Wenn sie aber aus einem bestimmten Anlass (Feier) nicht auf Alkohol verzichten wollen, richten Sie sich am nächsten Tag auf stärkere Spasmen ein.
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü