Über mich - Tetraplegie - Leben mit körperlichen Einschränkungen

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Über mich

Über mich

Ich bin am 10. Februar 1970 in Leipzig geboren. 1976 wurde ich in die polytechnische Oberschule ''Ho Chi Min'' in Leipzig/Schleusig eingeschult. Diese Schule besuchte ich leider nur bis zur 5. Klasse.Weil meine Mutter 1982, in Leipzig/Grünau, eine komfortable Vierzimmerwohnung bekommen hatte, musste ich mit meinem Bruder schweren Herzens die Schule wechseln. In Leipzig/Grünau, setzte ich den Unterricht an der 83. polytechnischen  Oberschule ''Fritz Weinecke'' bis zur 10. Klasse fort. Nach der Schule wollte ich eine Laufbahn, bei der nationalen Volksarmee (NVA), als Unteroffizier einschlagen und  dafür verpflichtete ich mich 10. Jahre. Ich hatte das Ziel, Nachrichtenelektroniker bei der Volksarmee und anschließend einen Beruf als Rundfunk und Fernsehmechaniker. Dazu musste ich zwei Jahre die Lehre in einer Wehrklasse bei dem damals noch  genanntem Energiekombinat Leipzig absolvieren. In meiner Lehrzeit stellte ich Probleme mit meinem Rücken fest. Bei einer Untersuchung durch einen Orthopäden wurde festgestellt, dass ich einen Beckenschiefstand habe. Dieser Beckenschiefstand verursachte bei mir unerträgliche Rückenschmerzen. Daraufhin wurde ich ausgemustert. Die Lehre konnte ich aber vorher noch beenden. Ich blieb dem Energiekombinat als Arbeitskraft weiterhin erhalten und arbeitete in dem Bereich Freileitungsenergieversorgung. Diese Arbeit war für mich auf Dauer nicht befriedigend und ich ließ mich innerbetrieblich in den Fernwärmebereich als Betriebselektriker und als Zählermonteur umsetzen. Noch vor der Wende wechselte ich in den Fernwärmebereich (Messteuer- Regeltechnik und Zählerwesen). In diesem Bereich arbeitete ich bis zum 28. November 1998. Nebenbei verdiente ich mir etwas Geld mit der Reparatur von Rundfunk und Fernsehgeräten. Diese Arbeit mache ich noch heute. Aber wegen meiner gelähmten Hände repariere und restauriere ich nur noch Radios, vor allem Röhrenradios. Das hält meinen Geist fit und schult meine Geschicklichkeit. Auf meiner Seite "Meine Radioseite" habe ich vorgestellt wie ich solche Radios repariere und restauriere.

Am 28. November 1998 geschah das Unglück, welches mein Leben total veränderte. Ich sprang von der 5 Etage aus dem Fenster.

Was trieb mich dazu?

Ich lernte Ende 1997 eine zwei Jahre ältere Frau mit einem Kind von neun Jahren kennen. Diese Frau besitzt ein nach ihrer Aussage gut gehendes Lebensmittelgeschäft, in dem ich öfters mein Feierabendbier getrunken habe. In dieses Geschäft kam immer nach der Schule ihr neunjähriger Sohn. Ich war schon immer sehr kinderlieb und hatte mich von Anfang an schon im Laden liebevoll mit dem Jungen beschäftigt. Das gefiel der Ladenbesitzerin und immer öfters habe ich mich mit ihr und dem Sohn auch zuhause getroffen. Es entstand langsam eine familienähnliche Situation. Das gefiel uns beiden sehr und wir hatten uns ineinander verliebt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eine sehr schöne Zweiraumwohnung in Leipzig/Lindenau. Diese Wohnung hatte ich gerade erst neu bezogen und auch sehr viel Arbeit hineingesteckt. Ich hatte eine Wohnungsausstattung die für einen 27-jährigen überdurchschnittlich gut war. Der Sinn war, ich wollte mir in den nächsten 20- 30 Jahren keine neuen Möbel kaufen. Aber nun war ja da meine neue Freundin mit dem Kind. Sie hatte sich zu dem Zeitpunkt auch eine neue Wohnung gesucht, weil sie eine schlechte Beziehung hatte und sich letztendlich wegen mir von ihrem Lebenspartner getrennt hatte. In Leipzig/Grünau fand sie schließlich für sich eine 2 ½ Zimmerwohnung. Bei dem Einrichten der Wohnung war ich ihr von Anfang an behilflich gewesen. Den Gedanken hier auch einzuziehen hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Also pendelte ich die ganze Zeit zwischen meiner und ihrer Wohnung. Immer wenn ich bei ihr ein paar Tage geblieben bin, fühlte ich mich wie ein Familienvater. Das gefiel mir sehr, da hatte ich endlich eine Lebensaufgabe. Wir haben zu dritt viel unternommen. Durch das ständige hin und her wechseln zwischen den beiden Wohnungen geriet ich immer mehr in Stress. Ich wollte ja auch was von meiner schönen Wohnung haben und auch noch meinen Hobbys nachgehen. Nach einiger Zeit fragte mich meine Freundin, ob ich nicht zu ihr ziehen könnte, denn das wäre besser für unsere Beziehung. Der Gedanke war auf einer Seite ganz gut, aber was ist wenn die Beziehung in die Brüche geht? Da müsste ich ja meine neue Wohnung wieder kündigen, weil ich finanziell nicht für zwei Haushalte aufkommen kann. Also wurde der Gedanke für ein Zusammenziehen, beiseite geschoben. Nach und nach wurde unsere Beziehung  besser und es kam der Gedanke von meiner Freundin auf, dass sie sich gerne von mir ein zweites Kind wünscht und mich auch gerne heiraten und mit mir alt werden möchte. Ich fühlte mich in diesem Moment für sie sehr wichtig und da war  nach erneuten Fragen ein Zusammenziehen für mich nicht mehr so bedenklich. Ich kündigte ende September 1998 meine Wohnung und habe die neuen Möbel, bis auf ein paar persönliche Stücke an den ich sehr gehangen habe mit Hilfe meiner Freundin verkauft. Für die Möbel bekam ich leider nicht sehr viel Geld, dass reichte zur Hälfte um meinen Kontostand aus dem Minus zu holen und den Rest habe ich in die Wohnung meiner Freundin investiert. Nach dem ich  nun bei meiner Freundin wohnte, stellten sich nach und nach Alltagsprobleme wie bei jeder Familie ein die mich aber nicht  weiter beunruhigten. Nach nicht also langer Zeit blickte ich hinter ihrer Kulisse und erfuhr, dass ihr Geschäft noch nie gut gelaufen ist und sich ein Schuldenberg angesammelt hat. Also half ich in Ihrem Geschäft an meinen freien Tagen  und nach der Arbeit mit aus. Ich habe sie vor allem körperlich entlastet. Weil sie durch das schlecht gehende Geschäft so gut wie kein Geld nach Hause brachte, half ich immer öfters finanziell aus. Dabei  überblickte ich gar nicht so schnell, dass ich mich finanziell völlig übernommen habe. Wegen  Ihrem Geschäft entstanden immer öfters Spannungen zwischen uns, weil sie ständig allein arbeiten musste und sehr spät am Abend nach Hause kam. Da war für ein Privatleben nicht mehr viel Zeit übrig. In der Abwesenheit der Mutter, kümmerte ich mich  immer öfters alleine um  den Sohn. Das war für mich in dieser Zeit nicht mehr so einfach gewesen, weil der Junge durch das Fehlen der Mutter gelitten hat und immer schwieriger wurde. Aber auch dies meisterte ich so gut ich konnte. Anfang November 1998 hatte sie öfters Kontakt zu einem Bauarbeiter, der öfters in  Ihrem Geschäft Mittag gegessen hat. Sie lieh ihm öfters ihren privaten Transporter (Kleinbus), weil sein Fahrzeug in seiner Firma kaputt war. Ich dachte mir anfangs nichts weiter dabei, aber dass sie dafür kein Geld wollte wunderte mich schon.  Immer wenn ich sie darauf ansprach gab es ständig Ärger. In dieser Zeit erfuhr ich auch von meiner Freundin, dass dieser Bauarbeiter einen Millionenauftrag bekommen hat. Das Ganze zog sich bis zu dem 28. November hin. An diesem Abend sagte sie überraschen zu mir, dass sie  jetzt zu diesem Mann geht, weil er sie zu sich nach Hause eingeladen hat. Als ich sie fragte was das soll bekam ich zur Antwort, dass sie mit ihm schon lange ein Verhältnis hat und das ich in nächster Zeit ausziehen muss, damit er hier einziehen kann. Als sie darauf hin die Wohnung verlassen hatte, gingen mir etliche Gedanken durch den Kopf, wie es mit mir weitergehen soll. Ich hatte kein Geld, keine Möbel und keine Wohnung mehr. Wo bekomme ich auf die Schnelle, bezahlbaren Wohnraum und eine Einrichtung her? Völlig zermürbt wie ich war, bekam ich zu guter letzt noch Schmerzen in meiner linken Brust und meinen linken Arm. Da ich in meinem Leben schon zwei Herzanfälle hatte und in einer Klinik behandelt werden mussten, wusste ich was mit mir los war. Muss ich denn das Ganze noch einmal durchmachen, dachte ich und hatte Angst am Ende noch meine Arbeit zu verlieren. Nach etlichen Zigaretten auf dem Balkon, entstand bei mir einen Kurzschlussreaktion und ich kann bis heute nicht genau sagen wie ich gesprungen bin.

Von meinen persönlichen Sachen, die meine Eltern für mich abholen mussten, bekam ich nicht mehr viel zurück. Das stellte ich fest, als ich meine Sachen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zum ersten Mal wieder gesehen habe. Selbst von meiner persönlichen Kleidung die von sehr guter Qualität war, bekam ich nicht alles wieder. Mir ist es ein Rätsel, wie man von jemandem Kleidung behält  die man selbst nicht anziehen kann. Schon alleine die schlimme Situation  meiner jetzigen Behinderung auszunutzen, wodurch ich nicht mehr in der Lage bin selber mein Zeug abzuholen, finde ich skrupellos und geplant.

So paradox wie das klingt, habe ich durch die Kündigung meiner Wohnung und den darauf folgenden Krankenhausaufenthalt, der ein ¾ Jahr dauerte, keine finanziellen Belastungen mehr gehabt. Mit diesem Krankengeld konnte ich mir eine neue Wohnung leisten die ich gut einrichten konnte. Dadurch wurde mein neues Leben als Rollstuhlfahrer,  der sich oft in der Wohnung aufhalten muss, etwas erträglicher.
 
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